Am 04. Mai 2026 fand an der Gesamtschule Much ein außergewöhnlicher und tief bewegender Zeitzeugenvortrag statt. Der Zeitzeuge Thomas Gabelin berichtete vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 sowie der Einführungsphase (EF) eindrucksvoll und sehr persönlich über die Geschichte seiner Familie während der Zeit des Nationalsozialismus.
Thomas Gabelin wurde im Jahr 1944 unter extremen Bedingungen im Ghetto Theresienstadt geboren. Seine Geburt fiel somit in eine Zeit größter Not, Angst und systematischer Verfolgung. Seine Familie gehörte zu den sogenannten „Halbjuden“ und wurde von den Nationalsozialisten in das Ghetto deportiert, das als Teil des Systems der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung im Zusammenhang mit dem Holocaust stand.
Gabelin schilderte eindringlich, unter welch unmenschlichen Bedingungen seine Familie dort leben musste: Hunger, Krankheit, Enge, ständige Angst vor weiterer Deportation und völlige Unsicherheit über das eigene Überleben prägten den Alltag. Dennoch gelang es seiner Familie, gemeinsam diese Zeit zu überstehen. Er selbst, sein Bruder und seine Eltern überlebten die Haft im Ghetto – ein Umstand, der angesichts der damaligen Lebensbedingungen alles andere als selbstverständlich war.
Besonders hervorgehoben wurde in seinem Bericht die Rolle seiner Mutter. Mit außergewöhnlicher Kraft, Mut und unermüdlichem Einsatz habe sie das Überleben der Familie ermöglicht. Thomas Gabelin machte deutlich, dass ihre Entscheidungen, ihre Fürsorge und ihr Überlebenswille unter diesen Bedingungen kaum in Worte zu fassen seien. Ohne sie, so seine Überzeugung, wäre das Überleben der Familie nicht möglich gewesen.
Begleitet wurde Thomas Gabelin von seinem engen Freund und dem Buchautor Louis Pawellek, der seine Erzählungen unterstützte und einordnete. Gemeinsam gelang es ihnen, die historischen Ereignisse für unsere Schülerinnen und Schüler greifbarer und verständlicher zu machen.
Die Veranstaltung wurde vom Förderverein der Gesamtschule Much finanziert und ermöglichte so diesen wichtigen Beitrag zur Erinnerungs- und Gedenkkultur an unserer Schule.
Der Vortrag war von einer sehr emotionalen Atmosphäre geprägt. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren sichtlich bewegt von den persönlichen Schilderungen und der unmittelbaren Nähe zur Geschichte. Besonders eindringlich war die Botschaft von Thomas Gabelin: Er warnte vor jeglicher Form von Hass, Ausgrenzung und Diskriminierung und betonte nachdrücklich, dass sich das Leid, das seine Familie erfahren musste, niemals wiederholen dürfe.
Sein Besuch hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und machte deutlich, wie wichtig es ist, Zeitzeugenberichte weiterzugeben, um Erinnerung lebendig zu halten und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
(Bericht: Karl Pollok; Fotos Karl Pollok, Stefan Tiedtke)