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Skifreizeit in Österreich 2020: Ein Erfahrungsbericht

09.09.2020

Es war ein friedlicher Morgen in Kelchsau. Die Kälte der Nacht war deutlich zu spüren und die Sonne verbarg ihr Gesicht noch hinter den Kämmen der Alpen.  Ein lieblicher weißer Schleier überdeckte alles Grau des Tages…

In der Ferne das leise Rauschen eines Reisebusses…

Plötzlich! Da zerriss ein lauter Knall die Stille. Der Fernbus kollidierte mit einem Eisengeländer.  Der ohrenbetäubende Lärm markierte die Stunde Null und das Ende der Ruhe. 49 Mucher Pänz und fünf Ausnahmepädagoginnen und -pädagogen wurden verschlafen und teilweise in Trainingshosen(!!) auf die eiskalte Straße gespült. Zumindest waren durch den kleinen Unfall alle wach.

Jetzt hieß die Hauptaufgabe sich die Zeit zu vertreiben, bis die Vorbewohner die Hütte geräumt und vor allem gesäubert hatten.  Es half ein kleiner Ausflug auf die Streif. Wen es interessiert: Jenes berühmte Weltcuprennen mit einem maximalen Gefälle von 85 %. Hier sollten die Pänz einen ersten Eindruck davon bekommen, was Sie erwarten würde. Ein junger, hochmotivierter Jungspund namens Alfred* (Name von der Redaktion geändert) war offensichtlich so begeistert von den Athleten, dass er beschloss zu Fuß acht Kilometer zum nächstgelegenen Bahnhof zu laufen. Und in seiner Eile merkte er nicht einmal, dass dies nicht der richtige Treffpunkt war, welcher unmittelbar neben der Rennstrecke zu finden war. Nun gut, Navigation, eine andere Geschichte.

Am nächsten Morgen wurde es ernst. Die Sportaspiranten drängten sich mit ernster Miene in den Skibus. Einer unserer Pädagogen (der Name soll hier zum Schutz der Autorität nicht genannt werden) klagte über Schmerzen in den Skischuhen. Nachdem diesem aber offeriert wurde, dass lediglich der linke Skischuh an den linken Fuß gehört und nicht umgekehrt, waren die anfänglichen Probleme schnell ausgeräumt.

Bei Kaiserwetter zeigten die Skineulinge ihre ersten Lernerfolge. Es ging im Slalom durch den Parcours, um aufgestellte Skistöcke und lebende Hindernisse herum.  Mit unterschiedlichem Talent, aber jeder Menge Spaß auf der Piste wurden die ersten Kurven in den Schnee gezogen.

Am Abend stellte sich im Haus schnell eine angenehme Atmosphäre ein. Es wurde gekocht, gekickert und Billard gespielt. Das Kochen für über 50 Personen stellte sich als besonders herausfordernd dar. So mussten für die 20 Aufläufe auch mal 15 kg Kartoffeln geschält werden. Der Topf mit 30 Litern Wasser musste mit mehreren Personen zum Herd bewegt werden. Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, versuchten die verantwortlichen Kochgruppen sich mit motivierender Musik zu pushen. Zu „Johnny Däpp“ oder dem „Helikopter“ war die Küche des Hauses stets ein Garant für gute Stimmung.

Die nächsten Tage offenbarten einen bunten Mix aus Sport und Erholung. Auf der Piste feierte ein Großteil der Schüler_innen tägliche Lernerfolge. Am vierten Skitag konnten bereits alle Ski- und Snowboardfahrer_innen dem Anfängerhügel den Rücken kehren. Mit der Gondelbahn ging es hoch auf 1850 Meter. Der Ausblick über die Kitzbühler Alpen war phänomenal. Beim gemeinsamen Mittagessen auf der Hütte kamen Schnitzel, deftige Speckknödel und Kässpätzle auf den Teller.

Die Abendgestaltung variierte je nach persönlichem Geschmack. In der hauseigenen Sauna konnte man sich bestens erholen (da Frau ***  hier sehr lehrerfreundliche Zeiteinteilungen vornahm, kam hier besonders das Lehrpersonal auf seine Kosten). Beim Kickerturnier konnten sportbegeisterte Tausendsassa ihr Können unter Beweis stellen und im hauseigenen Kino wurden Referate rund um den alpinen Sport zum Besten gegeben. Durch das vielseitige Programm kann selten Langeweile auf.

Ein besonderes Highlight war der Besuch von „Sweety“. Da einer unserer Ausnahmepädagogen keine weitreichenden Kochkenntnisse besaß, wurde kurzer Hand ein hoch dekorierter Koch aus der Region „eingeflogen“. Kaiserschmarrn und Tiroler Apfelstrudel entfachten eine denkwürdige Geschmacks-explosion und wurden von den hungrigen Mäulern dankend verspeist.

Die Tage vergingen wie im Flug und schon bald kehrte in Kelchsau wieder jene liebliche Ruhe ein. An einem sehr kalten und frühen Morgen verließ ein Reisebus den Ort Richtung Norden. Im Gepäck die Erinnerungen an eine lehrreiche und naturverbundene Woche.

 

(Bericht: Tobias Jaspers, Fotos: Stefan Tiedtke)

 

Fotoserien zu der Meldung


Skifahrt 2020 (09.09.2020)